GB stellt vor: campus botanicus

Mit campus botanicus ging im Frühjahr 2020 die erste deutsche Internet-Plattform für speziell gärtnerische Vorträge online. Dank eines über die Jahre gewachsenen Netzwerks der Gründerinnen drücken sich seitdem deutschsprachige gärtnerische Hochkaräter als Redner die Klinke in die Hand.


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Interview: Christine Bahlo, Andrea Bierbaum, Sylvia Knittel, Anke Schmitz ∗ Einleitung: Anke Schmitz ∗ Textbearbeitung: Christine Bahlo, Andrea Bierbaum, Sylvia Knittel, Anke Schmitz ∗ Foto: Sylvia Knittel ∗ Lekorat: Dr. Ruthild Kropp


GB: Liebe Garden Girls, die erste Frage liegt natürlich etwas auf der Hand: Wie kamt ihr auf die Idee zur Gründung von campus botanicus?

Christine Bahlo: Als Initiatorin der „Weinheimer Gartengespräche“ machte ich mir im Frühjahr 2020 Gedanken, wie man in Corona-Zeiten wieder eine Veranstaltung durchführen könnte. Da passte es, als ich Ende April zu einem Zoom-Meeting eingeladen wurde. Ich war von Anfang an total begeistert und mein Interesse, die Bedienung zu erlernen, war riesengroß. Am 29. April kam zufällig in Facebook eine PN von Andrea Bierbaum, meiner langjährigen Gartenfreundin. Ich fragte sie eher beiläufig, ob sie Zoom kenne. „… ja, ich kenn mich mit Zoom aus. Wir können gerne üben“. Die Übung fand natürlich direkt in Zoom statt und ich erfuhr von Andrea, dass sie es beruflich nutzt und schon mehrere Veranstaltungen als Host betreut hat. Damit hatte ich auf Anhieb einen Volltreffer gelandet! Schnell fanden sich weitere „Gardengirls“, denen die Idee gefiel, Vorträge zu botanischen und Naturthemen als online-Veranstaltungen anzubieten. Schon ein paar Tage später, am 5.5.2020, trafen sich Andrea Bierbaum, Petra Michaela Kirchmayer, Sylvia Knittel und ich in einem ersten Zoom-Meeting. Das war die Geburtsstunde des campus botanicus – der Name kristallisierte sich in Minutenschnelle in einem Brainstorming heraus. In den nächsten Tagen entwickelte sich alles ganz schnell. Wir sammelten unsere Ideen und begaben uns auf Referentensuche.

Sylvia Knittel: Als Christine mich ansprach, war mir in dieser Sekunde klar, dass das ein unglaubliches Entwicklungspotenzial hat. Denn mich selbst hatte immer genervt, dass ich für einen interessanten Vortrag sehr weit fahren musste. Oft fehlt dazu auch einfach die Zeit. Und eine Alternative gab es schlicht und ergreifend nicht. Mit dem campus botanicus haben wir die Alternative dann selbst geschaffen und ich muss gestehen, selbst wenn mich ein Vortragsthema persönlich vielleicht nicht so interessiert, bin ich doch immer wieder geflasht von den Vorträgen, von dem Wissen der Referenten und von der Begeisterung der Zuschauer. Man spürt förmlich, dass da etwas entsteht – genau das war unsere Idee.

GB: Welche Themengebiete bietet ihr an und an wen richtet sich euer Angebot?

SK: Unser Angebot richtet sich an alle, die sich für Garten und Botanik interessieren. Die Gartenszene ist ja sehr groß und sehr vielfältig – und genauso wollen wir das Angebot des campus botanicus auch gestalten. Wir wollen Garten-Anfänger dafür begeistern, aus ihrem Garten ein grünes Paradies zu machen und ihnen zeigen, wie das geht. Garten-Liebhabern wollen wir die ganze Vielfalt der Pflanzenwelt erschließen und ihnen eine Plattform bieten, wo sie sich auch mit Profis austauschen können. Das Thema Garten und Natur ist riesig groß, es gibt Themen ohne Ende. Diese Vielfalt wollen wir anbieten und unsere Besucher:innen dabei auch gut unterhalten. Denn das beste Programm ist nichts wert, wenn es Menschen nicht inspiriert, keine Wünsche weckt und Träume schafft.

CB: Dabei greifen wir Trend-Themen wie Naturgarten auf, haben aber auch Garten-Klassiker wie Helleborus im Programm. Referent:innen zeigen Ihren Garten und wie sie diesen aufgebaut haben, Sie zeigen, wie man Beete nach bestimmten Prinzipien gestaltet und pflegt, wie man Gehölze schneidet oder einen dem Klimawandel angepassten Garten anlegt. Nach ein paar Monaten haben wir gemerkt, dass es eine große Sehnsucht danach gibt, virtuell zu reisen. In Zeiten von Corona und Lockdown ist das verständlich, aber wir glauben, dass das auch nach Corona noch Thema sein wird. Ältere können oder wollen vielleicht gar nicht mehr so reisen, die Jüngeren sich inspirieren lassen – und in manche Länder kommt man auch nicht so einfach, wie zum Beispiel in den Iran oder nach Grönland. An solchen Abenden spüren wir, wie unsere Zuschauer mit den Herzen mitreisen.

GB: Wieviele Zuhörer habt ihr so pro Vortrag?

Andrea Bierbaum: Das ist ganz unterschiedlich – so zwischen 100 und 300, je nach Thema. Denn wir trauen uns auch, Nischenthemen zu besetzen. Zum Beispiel hatten wir im Sommer einen Vortrag zu ganz speziellen Taglilienformen. Der Züchter, Marc King, ist bekannt in der Szene, aber darüber hinaus nicht. Wer neugierig war, konnte aber auch hier einfach reinschnuppern.

GB: Im Anschluss habt ihr ja auch immer eine Abschlussdiskussion. Kann man auch während des Vortrags Fragen stellen?

SK: Natürlich, dazu gibt es den Chat. Wann immer man eine Frage hat, kann man sie sofort loswerden und muss nicht warten bis zur Fragerunde. Als Moderatorin sammle ich die Fragen und achte darauf, dass auch alle beantwortet werden. In einer kleineren Runde wie in unseren Kursen mit 30 Teilnehmer:innen, geht es, dass man das Mikrophon anschaltet und diskutiert. Aber in sehr großen Runden ist das für alle Beteiligten sehr anstrengend und es ist über den Chat viel einfacher. Zudem hilft die Community auch selbst – viele Fragen werden gleich beantwortet. Und wer mal den einen oder anderen Pflanzennamen nicht mitgeschrieben hat: Irgendjemand hat immer aufgepasst. Das ist ein sehr schönes Miteinander.

GB: Wenn ihr es malen könntet: Wohin würde sich euer Projekt hin entwickeln?

AB: Wir sehen den campus botanicus als großen, bunten Garten mit vielen begeisterten Gärtner:innen und solchen, die es werden wollen. Eine erfrischende Gemeinschaft von Gartenbegeisterten trifft sich bei uns, wir tauschen uns aus und lassen uns inspirieren in Vorträgen und Kursen von tollen und vielseitigen Referent:innen. Ideen haben wir noch genug.

GB: Ihr Drei, habt lieben Dank für das Gespräch und für euere Initiative!


Über

Mitten im ersten Corona-Lockdown im Mai 2020 gründeten Andrea Bierbaum, Christine Bahlo und Sylvia Knittel den campus botanicus als Plattform für Gartenvorträge. Dabei sind alle drei auch so gut beschäftigt. Andrea Bierbaum ist im Hauptberuf Bereichsleiterin bei einer Volksbank, Sylvia Knittel leitet die Unternehmenskommunikation eines Versicherungskonzerns und Christine Bahlo hat als Rentnerin erfolgreich ein Studium der Linguistik absolviert.
Die Liebe zu Garten und Natur bringt alle drei Gardengirls zusammen. Christine Bahlo ist bestens vernetzt in der Gartenwelt und so folgen viele bekannte Referenten der Einladung, im campus botanicus einen Vortrag zu halten.
2020 startete der campus botanicus mit 25 Veranstaltungen, im ersten Halbjahr 2021 fanden bereits 32 Vorträge und Kurse statt. Über 6000 Teilnehmer:innen waren allein 2021 bereits dabei, davon sind viele Stammgäste.

https://campus-botanicus.de/