„Es geht immer besser!

Grünes Blut trifft Christian Schultheis im Dezember 2017 in seinem Büro des Rosenhofs Schultheis in Steinfurth, Bad Nauheim.


Trotz der kalten Jahreszeit durch romantische Gedanken an Rosenbouquets und Rosenbögen beschwingt, kam ich am Traditionsbetrieb Schultheis, der ältesten Rosenschule Deutschlands, an. Der Rosenhof, 1868 gegründet, ist das Herz des Rosenanbaus im kleinen Örtchen Steinfurth, das bis heute wohl als das bekannteste Rosendorf Deutschlands gilt. Hier wurden auf den fruchtbaren Böden der Wetterau, in den Hochzeiten der 1980er-Jahre, bis zu 14 Millionen Rosen jährlich produziert. Es brauchte nicht lange, um die verspielten Gedanken verpuffen zu lassen und stattdessen von der Bodenständigkeit und einem wilden Ritt durch die Geschichte des Rosenanbaus von Herrn Schultheis mitgerissen zu werden …

Text: Christian Schultheis, Anke Schmitz ∗ Textbearbeitung: Anke Schmitz ∗ Fotos: Anke Schmitz ∗ Lektorat: Dr. Ruthild Kropp

GB: Lieber Herr Schultheis, die Rose gilt als die Königin der Blumen. Sie sind in der fünften Generation Leiter der ältesten Rosenschule Deutschlands. Welche Bedeutung hat die Rose für Sie persönlich?

CS: Das ist eine gute Frage. Generell ist die Rose erstmal das, was meine Familie seit nun 150 Jahren produziert. Wenn meine Vorfahren vorher Tomaten produziert hätten, dann würde ich jetzt wohl auch Gemüse anbauen. Ich kam also zur Rose wie die Mutter zum Kinde.

GB: Wie lange arbeiten Sie denn schon aktiv im Betrieb mit?

CS: An sich mache ich das schon seit immer. Ich war bereits als kleiner Stöpke mit meinem Vater auf Märkten und habe Rosen mitverkauft. In der Jugend hatte ich erstmal andere Interessen und nach dem Abi wollte ich eigentlich Medizin studieren. Dann habe ich Zivi in der Herzchirurgie in Bad Nauheim gemacht, 15 Monate waren das bei mir damals noch, und ich hab‘ dann gemerkt, dass die Medizin nichts für mich ist. Im Krankenhaus ist das schon echt hart. Man bekommt die ganzen Krankheitsgeschichten mit, das muss man schon wollen. Nachdem mir meine Patienten damals noch mehrfach sagten, “Rosen Schultheis – das ist doch super. Warum machst du das nicht?”, habe ich darüber nachgedacht, “Ja, warum eigentlich nicht?!” Ich bin dann nach Weihnstephan gegangen und habe fünf Jahre Gartenbauingenieur studiert.

Wenn man mit Rosen zu tun hat und nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, behaupte ich mal, kann man innerhalb von zwei Jahren alles lernen, was wichtig ist.

GB: Konnten Sie während Ihres Studium auch mal in andere gärtnerische Bereiche Einblick bekommen?

CS: Während der Zeit an der FH hatten wir auch Praxissemester. Ich war zum einen bei Rosen Kordes bei Elmshorn und ein halbes Jahr in England bei Notcutts Nurseries, einer großen Baumschulkette. Da ging es erstmal nicht um Rosen, sondern um Pflanzen allgemein und die Sprachkenntnisse im speziellen. Wie die Wirtschaft hat eben auch der Gartenbau seine eigene Sprache auf Englisch. Das Vokabular kennt man nicht aus dem Schulenglischen.

GB: Also gab es viel zu lernen …

CS:Wenn man mit Rosen zu tun hat und nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, behaupte ich mal, kann man innerhalb von zwei Jahren alles lernen, was wichtig ist. Aber es gibt natürlich immer Sachen, die wieder on top kommen. So habe ich mich schon im Studium für die Züchtung von Rosen interessiert und meinen Vorfahren ein wenig angekreidet, warum sie nicht selbst gezüchtet haben.

GB: Das habe ich mich bei meiner Recherche übrigens auch gefragt …

CS: Es lag wohl daran, dass es früher noch keinen Sortenschutz gab und es sehr schwer war, Sorten vor unerlaubtem Anbau zu schützen. Aus diesem Missstand ging das heutige Lizenzsystem hervor. Damals kaufte man sich als Rosenschule eine neue Rose und hat sie vermehrt. Das waren utopische Preise, die eine neue Rose kostete. Ich weiß, dass mein Vorfahr sich darüber aufgeregt hat, wie man so viel Geld in eine neue Rose investieren könne. Das war, als wenn man sich heute einen Neuwagen kauft. Weil die Umstände damals so waren, hatten meine Vorfahren Angst, dass sie die Rosen und ihr Wissen praktisch geklaut bekommen, weswegen sie die Züchtung ausgelagert haben.

Achtung Rosenfans: Schnappatmung!

GB: Wie kamen Sie damals an die Sorten ran? Wissen Sie das?

CS: Wir hatten einen Züchter namens Henry Bennett in England. Ich weiß nicht genau, ob er nur für uns gezüchtet hat oder auch für andere, jedenfalls haben wir viele Rosen exklusiv von ihm bekommen und die auf den Markt gebracht. Zudem hatten wir noch einen zweiten Züchter im Taunus, Christoph Weigand, der auch eigens Sorten für uns gezüchtet hat. Es könnte sogar sein, dass er nur über uns vermarktet hat. Das ist im Übrigen das Problem bei fünf Generationen: man weiß leider nicht mehr so viel über die erste. Ich forsche selbst gerade nach, weil ich ja unter anderem für das Rosenmuseum hier in Steinfurth Berichte schreiben möchte. Bis zu meinem Opa ist alles ganz gut nachvollziehbar. Von der Generation weiß man noch vieles, weil man die Vorfahren eben kennt. Aber weiter zurück gibt es nicht mehr so viel. Man weiß zwar, was der Heinrich Schultheis alles veröffentlicht hat, aber generell gab es wenig Informationsweitergabe.

GB: Verstehe ich ihre Frage an die Vorfahren richtig und Sie haben als erster Schultheis nun mit der Zucht begonnen?

CS: Nein, mein Vater hat ebenfalls Mitte der 80er-Jahre mit der Züchtung begonnen und schon einige Sorten auf den Markt gebracht. Ich habe zwar nicht unbedingt die eine Lieblingsrose, auch wenn es schon welche gibt, die ich vom Duft und von der Art her sehr mag, aber: Es geht immer besser! Die Entwicklung muss weitergehen und da bin ich voll mit drin, so dass ich hoffentlich, wenn ich in Rente gehe, auf ein großes Züchtungswerk zurückblicken kann. Ich bin dabei sehr perfektionistisch.

Der Trend der englischen Rosen flaut ab, soviel kann man nachvollziehen.

GB:Was ist die Ausrichtung ihrer Züchtungsbemühungen?

CS: Generell sind es Gesundheit und Duft. Alles andere kann man eigentlich nicht vorhersehen, weil man eben nicht weiß, wie die Rose der Zukunft aussehen wird.

GB: Wohin geht der Trend?

CS: Der Trend der englischen Rosen flaut ab, soviel kann man nachvollziehen. Da aber eine Züchtung sieben bis acht Jahre dauert, sind die Rosen, die die Züchterkollegen gegenwärtig auf den Markt bringen, alles Pflanzen, die Trend waren. Das, was morgen Trend wird, das hat noch keiner. Das muss man jetzt machen, damit es dann in sieben Jahren da ist. Deswegen gehe ich in alle Richtungen. Ich hab mal was offenes, was gefülltes, ein paar Edelrosen, Strauchrosen, Kletterrosen. Wenn ich was gut finde, dann behalte ich es und alles was ich nicht gut finde, kommt weg.

GB: Ich hatte mit Blick in Zeitschriften, Foren usw. den Eindruck, dass naturnahe Strauchrosen voll im Kommen sind?

CS: Ja, man redet viel darüber, aber verkauft es nicht. Es ist zwar in vielen Magazinen drin und Bienenweide ein großes Thema, ich selbst habe z. B. auch eine Rose ‘Bee Lovely’, aber generell ist das trotzdem nichts, was die Kunden gerne kaufen. Die meisten mögen eben doch eine gut gefüllte und duftende Rose, alles andere sind Begleiterscheinungen. Ein weiteres Beispiel dafür sind die persischen Rosen mit einem violetten Auge, die Hulthemia persica-Hybriden. Ich hab auch zwei Stück im Sortiment, aber auch das sehe ich nur als kleinen Trend, der sich vermutlich nicht durchsetzen wird.

Bodenständig und wirklich sehr sympathisch der Herr Schultheis. Sieht man doch!

GB: Das klingt echt nach Random-walk …

CS: Unsere Kunden entscheiden das. Ein bisschen entscheidet vielleicht auch noch Paris mit. Wenn ich manchmal gefragt werde, welche Farbe Trend wird, dann sage ich immer: “Wenn die Männer rosa Hemden tragen, dann wird viel rosa gekauft und wenn die Frau apricot trägt, dann ist apricot die Trendfarbe. Wenn die Neuwagen in Weiß vom Band rollen, dann wird weiß gefragt sein.” Diese Moden geben es uns echt vor.

GB: Waren es in den fünf Generationen immer ausschließlich Rosen?

CS: Nein. Die Firma hat sich in dieser langen Zeit mehrfach neu erfunden. Im Krieg haben wir Gemüse produziert. Zur Zeit meines Vaters gab es in Steinfurth 14 Mio. Rosen. Das war zu viel und daraufhin hat er umgestellt und gemacht, was alle anderen nicht haben. Er führte dann vorwiegend Baumschulgehölze. Er hatte zwar auch weiterhin einige Rosen, aber nicht mehr ganz so viele und ausschließlich. Vor gut 30 Jahren hat mein Vater aus Liebhaberei angefangen, ein paar historische Rosen zu sammeln. Wir hatten die ganz hinten im Eck stehen und komischerweise haben sich die Kunden immer nach hinten verkrümelt und diese Sorten gefunden und rausgeholt. Wir haben jetzt sehr viele moderne und sehr viele historische Rosen.

GB: Wer ist Ihr Kunde?

CS: Private Rosenliebhaber und Gartenbesitzer. Wir bieten unseren Kunden sehr viel Auswahl, die sehr geschätzt wird. Hier in Steinfurth war man zwar auch immer sehr viel am Großhandel orientiert, an große Ketten oder Baumschulen, aber wir haben uns schon relativ früh, bereits in der Gründerzeit, an Privatkunden gewandt. Heute vermarkten wir gut 80% an Privatkunden.

Es gibt eigentlich keinen Rosengarten, in den keine Rosen von uns geliefert wurden.

GB: Namhafte Gärten wie die Pfaueninsel kaufen bei Ihnen ihre Rosen ein. Bekommen Sie das als Rosenschule mit, dass diese sehr bekannten Anlagen ihre Rosen aufpflanzen?

CS: Ja, bekommen wir. Pfaueninsel bzw. Sanssouci beliefern wir schon seit Jahrzehnten. Das sind wichtige Kunden von uns. Auf der Pfaueninsel gibt es ein Problem mit Wildschweinen, die für eine stete Rosen-Nachfrage sorgen. Sie benötigen besondere Sorten an Stammrosen, die aus historischen Gründen in genau der gleichen Sorte und Stammhöhe nachgepflanzt werden müssen. Daher haben wir alljährlich schon ein bestimmtes Sortiment vorrätig, deren Überschuss wir dann in 110 cm, der historisch preußischen Stammhöhe, auch unseren Privatkunden anbieten können.

GB: Bekommt der Kunde das mit, dass diese renommierten Gärten ihre Rosen verwenden? Ist das Werbung für Sie?

CS: Wir verkaufen ja schon seit sehr, sehr vielen Jahren deutschlandweit. Es gibt eigentlich keinen Rosengarten, in den keine Rosen von uns geliefert wurden. Meistens steht dann eben auch ein Schild dran, wo die Rose herkommt. Auf der Insel Mainau stehen z. B. ganz viele Rosen von uns, in allen größeren Gärten und bei Bundes- und Landesgartenschauen …

GB: … in Dortmund (Heimat!!!) …

CS: Klar, Dortmund im Westfalenpark.

GB: Gucken Sie da auch selber mal?

CS: Wenn ich da bin, natürlich. Wobei ich vor zehn Jahren sehr viel mehr Zeit zum Rosenfotografieren und Herumfahren hatte. Dann kamen vor sechs Jahren die Kinder und seitdem klappt das nicht mehr. 2003 habe ich mein erstes Buch geschrieben, und da ich damals keine eigenen Bilder hatte, musste ich das quasi mit alten Dias bebildern. Die Fotos in dem Buch bekamen dann für meinen Geschmack zu viel Kritik und ich fing selbst an, sehr viel zu fotografieren. Mittlerweile habe ich eine digitales Bildarchiv von ca. 40.000 Bildern und kann die schönsten Bilder auswählen.

GB: Apropos Kamera: Youtube-Videos habe ich von Rosenhof Schultheis auch gesehen …

CS: (lacht) … ja, die auch, oh Gott ja. Das würde ich alles gerne sehr viel mehr machen, aber das alles braucht eben sehr viel Zeit und ich benötige da wohl auch professionelle Hilfe, die teuer ist. Das werden wir aber in der nächsten Zeit auch angehen.

GB: Eins z. B. mit dem Gartenheinrich

CS: Ja, die Funktion und Verwendung ist wohl für einige Kunden schwierig, und als ich in Foren las, wie Kunden andere Kunden dazu berieten, habe ich am selben Tag dazu ein Video gedreht.

GB: … und ein weiteres Video, wie man die Stammrose winterfest macht, also umlegt. Das habe ich vorher übrigens noch nie gesehen. Wir haben die damals immer schön mit Tannenreisig eingewickelt, so dass die Hochstämme aussahen, wie kleine Tannenbäume. Also ein Video für alle potenziellen Hochstamm-Kunden mit Angst vorm Erfrieren 😉

CS: Ja, mit dem Umlegen, das ist eigentlich die beste Art, wie man es machen kann. Es traut sich aber keiner. Ich hatte früher einen Stamm, mit dem habe ich den Kunden immer demonstriert, wie man den umlegt. Nach zwei-, dreihundertmal Demonstrieren ist er dann aber leider doch abgebrochen. Die Kunden denken zwar immer, der bricht sofort, aber der hält das schon recht gut aus. Wir müssen uns auf diese neuen Medien einlassen, sonst wird man abgehängt.

Es ist so wichtig, eine Rose zu schneiden, und eigentlich nur schlecht, sie nicht zu schneiden.

GB: Rosen gelten als sensibel. Ich selbst habe diverse Rosen mit einer kläglichen Menge an Wurzelmasse umgepflanzt, ohne dass es jemals Probleme gab, und empfinde Rosen als recht robust. Hatte ich immer großes Glück mit den Sorten, es waren meist historische Rosen, oder was genau ist die Achillesferse der Rose?

CS: Generell kann eine Rose sehr viel vertragen. Ich gebe auch Schnittkurse und oft sind die Teilnehmer am Anfang durch einen starken Rückschnitt geschockt. Aber es ist gut, wenn sie verstehen, dass man durch Schnitt die Rose nicht kaputt machen kann. Im Gegenteil: Es ist so wichtig, eine Rose zu schneiden, und eigentlich nur schlecht, sie nicht zu schneiden. Die Standortwahl ist für die Rose sehr wichtig. Nicht jede Rose wächst überall gleich gut. Viele machen sich darüber keine Gedanken.

GB: Und was genau, meinen Sie, ist das Knock-Out-Kriterium der Rose?

CS: Das Knock-Out-Kriterium der Rose ist der, der sich um sie kümmern muss. Da fallen mir zum Beispiel Pflanzfehler ein. Ein Pflanzen mit Dünger oder Kompost bringt den Rosen oft den schnellen Tod. Ein weiteres Beispiel wäre zu viel wässern. Rosen mögen keine zu nassen Wurzeln und können dann schnell faulen. Das Schadbild gleicht dem Vertrocknen und verleitet zum Weitergießen.

Zupackend und fokussiert oder mittendrin statt nur dabei 😉

GB: Hinsichtlich der Prophylaxe von Pilzerkrankungen ist aber der Standort das A und O?

CS: Ja, ob die Rose eine Pilzerkrankung überhaupt bekommt, darüber entscheidet schon der Standort. Wenn ich beispielsweise einen Balkon auf der Nordseite habe und will unbedingt eine duftende rote Edelrose da stehen haben, kann ich schon vorweg sagen, dass die nachher krank sein wird. Eine Rose auf einem überdachten Balkon wird immer krank. Es ist einfach kein Rosenstandort, hingegen der Lieblingsplatz von Mehltau und Spinnmilbe. Über solche Parameter kann man schon ziemlich gut sagen, was die Rose kriegen wird oder eben nicht.

GB: An dieser Stelle möchte ich ein kleines Loblied mit der Anfangszeile “sie sind ja so dankbar” auf die historischen Rosen anstimmen …

CS: … bis auf die kürzere Blütezeit eben. Das ist das, was man immer dazu sagen muss. Die Blütezeit dauert meist „nur” etwa vier Wochen, aber dafür gibt es eben keinen Stress, keine Winterprobleme, weniger Krankheiten … na ja, vielleicht ein bisschen, aber nicht viel. Man hat bei historischen Rosen auf jeden Fall mehr positive als negative Faktoren. Aber heute will jeder alles. Andererseits ist es bei uns schon ganz häufig so gewesen, dass ein Kunde zunächst sehr viele Edelrosen oder Beetrosen gekauft hat und nur durch Zufall oder als Geschenk eine historische Rose mitnimmt. Eines Tages berichten die Kunden dann, dass sich das Sortiment in ihrem Garten über die Jahre gewandelt hat. Erst war alles modern und am Schluss ist alles historisch geworden, denn nach jedem Winter waren wieder ein paar moderne Rosen kaputt und dann wurde dort stattdessen eine historische Sorte gepflanzt. So sind viele anspruchsvolle Gärten in einen pflegeleichteren Modus übergegangen.

Derjenige, der sich damit gut beschäftigt hat, hat zwanzig Jahre geforscht und konnte am Ende nicht sagen, dass er die Ursache für die Bodenmüdigkeit bei Rosen herausgefunden hat.

GB: Mit dem Pflanzen an gleicher Stelle ist ja so eine Sache. Thema Bodenmüdigkeit, immer noch ein rätselhaftes Thema, oder?

CS: Derjenige, der sich damit gut beschäftigt hat, hat zwanzig Jahre geforscht und konnte am Ende nicht sagen, dass er die Ursache für die Bodenmüdigkeit bei Rosen herausgefunden hat. Es gibt sehr viele Theorien und was jetzt die absolute Wahrheit ist, das weiß man immer noch nicht, gerade weil es bei den verschiedenen Rosaceaen verschiedene Gründe haben kann, z. B. sind Nematoden so eine Sache. Unter manchen Bedingungen sind davon sehr viele im Boden und die eine Rosaceae wächst da wunderbar und andere eben nicht. Es scheint sehr spezifisch für jede Pflanze, und bei der Rose weiß man es nun wirklich immer noch nicht genau. Was ich allerdings ganz klar sagen kann, ist, dass alle Versuche, dem Ganzen mit irgendwelchen Mittelchen abzuhelfen nicht klappen. Einzig der Bodenaustausch ist möglich.

GB: Wie steht es aber mit der Bodenmüdigkeit auf dem Acker, auf den Sie die Rosen aufpflanzen?

CS: Wir tauschen die Äcker regelmäßig. Wir haben immer zwei Jahre Kultur mit der Rose und ich wechsle dann. Ich versuche, Land neu zu pachten, und gehe auf einen anderen Acker.

GB: Und wann könnte man das Land wieder nehmen?

CS: Nach etwa sieben, acht Jahren könnte man wieder draufgehen. Problematisch ist, dass wir hier in der Wetterau viel Kartoffel- und Maisanbau haben, und da gibt es auch viele Nematoden. Ich versuche, immer auf einen Acker zu gehen, auf dem zwei Jahre zuvor Weizen war, und das bekommen wir meistens auch hin. Wir hüpfen also mit unseren Feldern in einem zwanzig Kilometer Radius durch die ganze Wetterau.

Aufgereiht stehen die Hochstämmchen gemeinsam mit anderen Containerrosen auf der Brücke über den kleinen Bach des Besuchergartens.

GB: In Zeitschriften wird die Idee vom Rambler, der in den alten Apfelbaum klettert, gerne und häufig romantisch arrangiert. Beides Rosaceaen. Warum ist das wegen der Bodenmüdigkeit nicht auch zum Scheitern verurteilt?

CS: Grundlegend sollte man einen Rambler nicht an einen abgängigen Baum pflanzen, also würde ich den Rambler auch nicht in einen alten Apfelbaum pflanzen. Wenn die Rose nach zehn Jahren überall ist, könnte die Rose einen abgängigen Baum tatsächlich zum Umfallen bringen. Wenn der Baum noch Äpfel trägt dann ja, dann ist der auch noch fit. Zum Thema Bodenmüdigkeit kann ich hier aber beruhigen. Der Apfel hat eine andere Bodenmüdigkeit als die Rosen. Der reagiert eher auf Nematoden. Zudem geht der Rambler mit seinen Wurzeln so schnell runter, dass er durch die Zone mit den Nematoden schnell hindurch gewachsen ist.

GB: Auf was für einer Unterlage veredeln sie?

CS: Auf R. canina ‘laxa’

GB: Für die verschiedenen Böden gibt es unterschiedliche Unterlagen. Bei Ihnen in der Wetterau hat man einen eher schweren, lehmigen Boden. Habe ich beim Einwachsen Probleme, wenn ich ein Kunde in Norddeutschland bin und mir von hier eine Rose mit einer entsprechenden Unterlage bestelle?

CS: Hier im Süddeutschen Raum ist es die Rosa canina ‘laxa’, die man verwendet. In Norddeutschland werden fast alle Sorten auf Rosa canina ‘inermis’ einer feinwurzeligen Unterlage veredelt. Wenn die Pflanzen erstmal eine gewisse Stärke haben, ist es denen eigentlich egal, ob Sie vorher eine ‘inermis’ oder eine ‘laxa’ hatten. Wenn es mal Probleme gibt, dann eigentlich nur im ersten Jahr, und wenn ich hier bei uns eine Rose aufpflanze, die für sandige Böden veredelt wurde. Da ist die ‘laxa’ mit dicken Wurzeln wesentlich toleranter und auch von der Anwachsrate und dem späteren Wuchsverhalten besser.

Der Schnitt ist immer die Nummer eins der Rosenpflege.

GB: Meine obligatorische Frage zum Klimawandel? Was verändert sich im Bereich Rosen?

CS: Wir merken den Klimawandel tatsächlich stark. Vor allem an den Krankheiten und Schädlingen. Diese Schädlinge werden in Zukunft zunehmen und die Bekämpfung wird mit den noch wenigen zugelassenen Mitteln sehr schwierig werden. Auch wegen des Bienensterbens sollte man die wirksamsten Mittel nicht mehr verwenden. Man tötet eben nicht nur die Schädlinge, sondern auch die nützlichen Tiere.

GB: Gab es weitere Probleme im Zuge des Klimas der letzten Jahre?

CS: Wenn wir vermehren, dann brauchen wir eigentlich einen heißen, trockenen Sommer, denn nur dann haben wir hohe Anwachsraten. Aber in den letzten Jahren hatten wir eher kühle, nasse Sommer, d. h. unsere Anwachsraten sind derzeit ganz schlecht. Wir merken den Klimawandel also ganz schön.

Sauberschneiden ist auch Chefsache.

GB: Wieviel bringen die laufenden Kulturmaßnahmen, wie sauber schneiden, Laub aus den Beeten holen, Boden lockern versus Klima?

CS: Sehr viel. Generell gilt: Das Zurückschneiden verjüngt immer. Der Schnitt ist immer die Nummer eins der Rosenpflege. Wenn man das nicht macht, dann vergreist die Pflanze. Eine vergreiste Rose bringt weniger Blüten, wird anfälliger, und das alte, mit Pilzsporen infizierte Holz bleibt unter Umständen an der Pflanze. Als zweites folgt die Hygiene. Jedes runtergefallene Blatt wird von Pilzen zersetzt. Diese Pilze greifen wieder die Rose an, d. h. wenn das Blatt weg ist, kann sich die Rose damit schon mal nicht infizieren. Mit dem Schnitt kommt auch alles Laub und Holz weg. Und zum Schluss das allerwichtigste: unter den Rosen nicht viel mulchen, weil das den Luftaustausch behindert. Den Boden zu belüften bringt wirklich sehr viel. Der Mulch unterdrückt zwar das Unkraut, aber eben auch die Pflanze, denn der Gasaustausch ist für die Rose sehr wichtig. Auch wir im Betrieb müssen Unkraut entfernen, von daher bin ich schon dafür, dass man mit dem Mulchen was ausprobiert. So mulchen wir häufig mit Steinen. Mit 2 cm Lavagestein geht es gut, da funktioniert der Luftaustausch. Einen dicken Pinienmulch kann man auch verwenden, der auch lange strukturstabil bleibt. Alles Feine kann man für diesen Zweck vergessen und wenn Sie im Supermarkt ein Paket mit Rosenmulch sehen, würde ich die Finger davon lassen.

GB: Heißt also auch, die Rose auch nicht unterpflanzen …

CS: Ja, wobei es da doch eher die Konkurrenz ist, die Schwierigkeiten bereitet. Wenn ich eine Staude dazu pflanze, dann gewinnt diese meistens. Deswegen: Stauden unter Rosen sind zum Wohle der Rose immer mit einem respektvollen Abstand zu setzen.

GB: Wenn ich das Glück einer gesunden Rose habe, dann kann ich das Laub im Winter an der Rose belassen?

CS: Das würde man meinen. Aber das Problem entsteht, wenn sich im Folgejahr das neue Laub bildet. Der Laubaustrieb bedient sich in dem Fall aus dem alten Laub und dann wird das alte Laub zunächst geschwächt und dann krank. Plötzlich ist der Pilz dann in der Pflanze und dann bekommen Sie ihn nicht mehr raus. Wir hatten Pflanzen, die sahen den ganzen Winter toll aus, und dann im Mai, als sie gerade in Knospe standen, wurden sie krank. Deswegen entblättern wir mittlerweile alle Rosen spätestens im März.

Katzenminze und Lavendel halten keine Läuse fern, genauso wie Kaiserkronen auch nicht die Wühlmäuse vertreiben. Da ist sehr viel Hoffnung bei.

GB: Spielen Pflanzengemeinschaften für die Gesundheit der Rosen eine Rolle? Lavendel ist ja entgegen der weit verbreiteten Meinung schon mal gar nicht gut …

CS: In der Tat. Manche Zusammenstellungen sehen einfach nur gut aus. Wird die Rose in eine Staudenpflanzung integriert, funktionieren die Stauden eher als Abstandhalter zur nächsten Rose, was ein Vorteil sein kann. Aber dass man eine einzelne Pflanze zum Wohle der Rose dazu setzten könnte, das funktioniert leider nicht. Katzenminze und Lavendel halten keine Läuse fern, genauso wie Kaiserkronen auch nicht die Wühlmäuse vertreiben. Da ist sehr viel Hoffnung bei. 

Die Familiengeschichte hat einen hohen Stellenwert. Aufwändig restauriert wird ein englisch sprachiger Rosenkatalog aus dem Jahr 1888 im Pavillion ausgestellt.

GB: Herr Schultheis … letzte Worte zum Thema Rosen bitte jetzt 🙂

CS: Abschließend möchte ich sagen: man hat als Rosenliebhaber zwei von drei Wünschen an die Rose frei. Mehr geht leider nicht, weil das züchterisch nicht möglich ist. Eine Rose, die gesund ist und duftet, die blüht seltener. Blüht die Pflanze öfter und ist gesund, dann duftet sie nicht. Die, die viel blüht und duftet, hat meist einen Wuchs, der ganz hässlich ist. Ich selbst mag zum Beispiel sehr gerne ‘Rose de Resht’ oder ‘Jaques Cartier’, weil die toll duften und gesund sind. Für viele Einsteiger sind Rosen aber eben oft das, was sie im Blumenstrauß überreichen. Aber wenn man für die vielen Spielarten der Rosen offen ist, dann findet man seine Sorte; egal ob man eine sucht, die viel oder weniger Pflege benötigt.

GB: Lieber Herr Schultheis, herzlichen Dank für den Einblick in Ihr Berufsfeld.